Aktuelles | Gottesdienste | Wir über uns | Was tun wenn | Gemeindeleben | Kirchenmusik | Kirchen
  Druckversion   Seite versenden
Tonräume und Klangkaskaden – der Kammerchor Berlin zu Gast in der Hofer Marienkirche

Begeisterter Applaus und laute Bravorufe erschollen, als am Samstag, den 1. Juli die letzten Töne des Konzertes verklungen waren, das der Kammerchor Berlin in der Marienkirche präsentiert hatte. Gerne war der renommierte Chorexperte Stefan Rauh, zugleich Leiter des Berliner Sonat-Verlags, in dem regelmäßig innovative zeitgenössische geistliche Musik ediert wird, der Einladung seines Freundes Musikdirektor Dr. Ludger Stühlmeyer gefolgt. „Du hast mir immer erzählt, was für eine wunderschöne Akustik Ihr in Eurer Kirche habt“, sagte er in seinen Dankesworten an das zahlreich erschienene Publikum, und fuhr fort „aber so ganz habe ich das nicht glauben können. Doch nun muss ich sagen – wir sind begeistert. Ich beneide Dich um diese Kirche!“.

Dass den exzellent ausgebildeten Sängern – der Kammerchor Berlin gehört zu den profiliertesten Ensembles der deutschen Chorszene – und ihrem Leiter der Raum wirklich gut gefiel, war weder zu übersehen noch zu überhören. Sie musizierten mit spürbarer Begeisterung und füllten die Marienkirche bis ins Gewölbe hinein mit ihrem zugleich strahlend präzisen und warmen Klang. Durchhörbarkeit, dynamische Differenzierungen und eine große Liebe zum Detail prägt die Interpretation, die Stefan Rauh an die Werke aus fünf Jahrhunderten anlegte, die der Chor unter dem Motto „Laudate et cantate“ präsentierte. Das Spektrum der Werke reichte von Giovanni Pierluigi da Palestrina über Johann Pachelbel, Felix Mendelssohn Bartholdy, Anton Bruckner, Max Bauman, Sozef Swider, Ludger Stühlmeyer bis zu Ko Matsushita. 

Neben bekannten Werken wie „Locus iste“, „Os justi“ und „Ave Maria“ erklangen auch gut ausgewählte und facettenreichkonzipierte zeitgenössische Klangperlen. Der gebürtige Kronacher Max Baumann, der an der Hochschule für Musik in Berlin Generationen von Musikern prägte war mit seinem in pointierten Dissonanzen konzipierten „Pater Noster“ vertreten. Stühlmeyers im Sonat-Verlag erschienene Motette „Singt dem König Freudenspalmen“ spielt mit dem dreier/vierer Verhältnis der Alten Musik, also dem Tempus Perfectum und Tempus Imperfectum, das für die himmlische und die irdische Wirklichkeit steht , während  das „O Lux beata Trinitas“ des japanischen Komponisten Ko Matsushita mit scharfen Sekund-Dissonanzen und komplex notierten Rhythmen arbeitete. Doch egal ob Renaissance, Barock, Romantik oder Moderne, der Chor präsentierte die Werke aller Jahrhunderte mit bemerkenswertem Einfühlungsvermögen und punktgenauer Präzision.

Das Publikum dankte den Sängern begeistert und wurde dafür mit dem Abendsegen des Münchener Komponisten Josef Gabriel Rheinberger belohnt. Nach dem Konzert war eins klar: Diesen Chor möchten wir wieder hören. Und tatsächlich haben Stühlmeyer und Rauh für nächstes Jahr die Aufnahme einer CD vereinbart, deren Stücke dann live in einem Konzert in der Marienkirche zu hören sein werden.

Datum: 04.07.2017
Dr. Barbara Stühlmeyer