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Kirchenmusik

 

Steinmeyer-Orgel der Stadtkirche St. Marien 

Ein Gottesdienstraum ist immer auch ein Klangraum. Die Kirchengemeinde St. Marien hat mit Mut und Engagement in die Zukunft investiert, als sie ihre Kirche baute. Darum ließ sie 1885 von einer der damals renommiertesten Orgelbauwerkstätten, Firma Steinmeyer aus Oettingen, eine Orgel bauen, die heute zu den einzigartigen historischen Instrumenten des Orgelbaues der deutschen Romantik zählt.

Die originale Restaurierung durch Firma Orgelbau Klais aus Bonn wurde 1995 abgeschlossen. Die Marienkirche hat eine besondere Ausstrahlung, weil sie eine geschlossene künstlerische Form behalten durfte. Nur in wenigen Kirchen ist die äußere, neugotische Form und die innere Ausgestaltung bis hin zur Orgel so vollständig erhalten wie hier in Hof.

Die erhaltenen Orgeln von Georg Friedrich Steinmeyer (1819–1901) zeigen, dass dieser Orgelbauer zu Recht zu den Großen des 19. Jahrhunderts gehört und im bayerischen Orgelbau stilbildend wirkte.Gerade die am Ende jenes Jahrhunderts noch mit mechanisch gesteuerten Kegelladen gebauten Instrumente weisen eine faszinierende bauliche und klangliche Ästhetik auf. Auch die Orgel von St. Marien in Hof zeichnet sich durch diese Qualitäten aus; gesteigert wird der Wert der Orgel durch die gesamte originale neugotische Ausstattung der Kirche. Stilrein erhaltene romantische Orgeln sind heute eine Rarität geworden.

Georg Friedrich Steinmeyer aus Oettingen kam 1884 nach Hof und nahm die Maße der Orgelempore. Der Kostenvoranschlag für die neue Orgel ist datiert vom 12. Juli 1884. Die Orgel wurde genau nach diesem Plan gebaut. Steinmeyer hat aber für das zweite Manual nachträglich noch zwei weitere Register angeboten. Obwohl nicht verlangt, hat er doch die Windlade dafür vorbereitet, sodass hier später die Register Oktavin und Mixtur eingesetzt werden konnten. Steinmeyer konzipierte die Orgel nach dem Walkerschen Vorbild als mechanische Kegelladen-Orgel. Im Spieltisch wird sie als Opus 268 bezeichnet und wurde am 1. März 1885 eingeweiht.

Spieltisch und Gehäuse bilden eine mit neugotischem Dekor versehene stilistische Einheit. Vor dem Orgelgehäuse steht ein freistehender Spieltisch mit Blickrichtung zum Altar. Die Manualklaviaturen und die Pedalklaviatur sind original erhalten. Die Registerzüge liegen in drei Ebenen links und rechts der Klaviaturen. Im Orgelprospekt steht der Prinzipal 8′ aus dem I. Manual. Rückwärtig im Untergehäuse liegt der große Doppelfaltenmagazinbalg mit zwei untergehängten Schöpfern. Er kann heute sowohl elektrisch, als auch auf die ursprüngliche mechanische Weise betätigt werden. Im Obergehäuse befindet sich hinter dem Prospekt die Hauptwerk 4′ Lade, darüber die 8′ Lade vom I. Manual. Dahinter liegen im gleichen Aufbau übereinander die Laden des II. Manuals, getrennt vom Hauptwerk durch einen Stimmgang. Rückwärtig tiefstehend schließt die Pedallade an.

Durch ein Gutachten des Organisten und Brucknerexperten Erwin Horn aus Würzburg angeregt, begannen 1989 die Überlegungen zu einer Restaurierung des original erhaltenen Instrumentes. Das Gutachten spiegelt eine sich neu formierende Bewegung, die neben bislang barocken Instrumenten auch die historisch wertvollen romantischen Instrumente in den Blick nahm. Denselben Standpunkt vertrat auch das 1993 von Dr. Hans Wolfgang Theobald (Bonn) erstellte Gutachten. Zur Unterstützung der Maßnahme wurde 1993 ein Förderverein gegründet.

Nach der durch die Firma Orgelbau Klais unter Einbeziehung von Oberlandeskonservator Dr. Sixtus Lampl aus München von April 1994 bis Februar 1995 stilgerecht ausgeführten Restauration, konnte das Instrument auf den Tag genau zum 110. Jahrestag am 1. März 1995 fertig gestellt werden. Eine Erweiterung um das Cornet-Register  geschah sowohl im Hinblick auf die diesbezüglichen räumlichen Möglichkeiten der Orgel sowie auf die Gestaltung von Dispositionen vergleichbarer Steinmeyer-Orgeln dieser Epoche.

Nachdem die Stadtkirche St. Marien generalsaniert worden war, führte die Orgelbaufirma Karsten Hörl aus Helmbrechts im Landkreis Hof 2011 eine grundlegende Reinigung des Instrumentes durch.

 

Klais-Orgel der Filialkirche St. Johannes Nepomuk 

Im Jahre 1998 errichtete die Firma Orgelbau Klais aus Bonn für die Filialkirche St. Johannes Nepomuk eine neue Orgel. Die Verkündigungsorte des symetrisch angeordneten Raumes mit Ambo (Tisch des Wortes), Altar (Tisch der Eucharistie) und Orgel (musikbezogene Verkündigung) stehen nahe beieinander.

Der Orgelprospekt ragt, als flache Scheibe, hoch und elegant auf. Der Unterbau mit dem Spieltisch ist schlank gehalten. Fünf Felder des Orgelprospektes, jeweils mit zwölf 8'-Pfeifen aus englischem Zinn versehen, werden durch rottönige Schleierbretter ausgefüllt. Der Subbass 16' bildet das Fundament, die Klangkrone der überwiegend grundtönig ausgerichteten Orgel bildet die Mixtur 3-fach 1 1/3'. Die Untertasten der Manualklaviatur sind aus Ebenholz gefertigt, während die Obertasten mit Bein (Fischknochen) belegt sind. Die mechanischen Registerzüge befinden sich links seitlich am Spieltisch.

Die Stimmung der Orgel steht in der ungleich schwebenden Stimmung Valotti (1770). 

 

Ouelle: Ludger Stühlmeyer, Curia sonans. Die Musikgeschichte der Stadt Hof. Die alten Innenstadtkirchen und ihre Orgeln. Bayerische Verlagsanstalt, Bamberg 2010, S. 181 - 223.